Dortmund, 26.01.2026 – Bettina Brennenstuhl war viele Jahre im öffentlichen Dienst tätig, bevor sie zu ihrer heutigen Position im Hafen kam. Als Vorständin der Dortmunder Hafen AG verantwortet sie die strategische und operative Leitung des Unternehmens und ist dabei mit einem vielseitigen Aufgabenspektrum von Personalführung bis Finanzen betraut. In diesem Zusammenhang steht sie auch im engen Austausch mit der Innovationsplattform startport GmbH, einer Tochter der Duisburger Hafen AG.

Welche Aufgaben übernimmt man als Leitung der Dortmunder Hafen AG?
“Das ist ehrlich gesagt eine gar nicht so einfache Frage, weil der Job unglaublich vielseitig ist. Als Leitung der Dortmunder Hafen AG ist man in sehr viele unterschiedliche Themen eingebunden: vom Marketing über Personalführung bis hin zu Finanzen. Und trotzdem ist kein Tag wie der andere.
Ein großer Teil meines Alltags besteht aus Gesprächen – intern mit den Führungskräften hier vor Ort, aber auch extern mit der Stadtgesellschaft, mit anderen Häfen oder politischen Akteuren. Durch meine Rolle als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Häfen NRW und meine Mitarbeit im Präsidium des Bundesverbands kommen natürlich zusätzliche Termine und Austauschformate dazu. Auch mit dem Verkehrsministerium NRW stehe ich in engem Kontakt.
Mein Arbeitsalltag wird deshalb von meinem Terminkalender geprägt. Am Ende bin ich als oberste Führungskraft dafür verantwortlich, dass der Laden läuft. Mir ist dabei besonders wichtig, den Mitarbeitenden einen guten Rahmen zu geben, damit sie ihre Aufgaben bestmöglich erfüllen können. Ich selbst konzentriere mich vor allem auf die strategischen Themen und darauf, den Hafen langfristig gut aufzustellen.”
Dein Spruch „Häfen sind geil“ hat schon viele Wellen geschlagen. Wieso glaubst du wirkt der Spruch?
“Ich glaube, der Spruch wirkt, weil er extrem simpel ist und genau dadurch hängen bleibt. Er polarisiert ein bisschen, macht neugierig und bricht mit dem, was man sonst von Häfen erwartet. Im Moment funktioniert das noch richtig gut, aber ich bin mir auch bewusst, dass solche Sätze irgendwann auserzählt sind.
Entstanden ist „Häfen sind geil“ übrigens ganz spontan. Das war in einer Runde zur nachhaltigen Rheinschifffahrt in Düsseldorf, und der Satz ist mir einfach so über die Lippen gekommen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum er so viel Wirkung entfaltet hat. Er war nicht geplant, nicht glattgebügelt, sondern ehrlich und aus dem Moment heraus.”

Wie siehst du LinkedIn aus deiner Position?
“Ich bin da ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten. Grundsätzlich habe ich mit Social Media nichts am Hut, auch privat bin ich dort nicht aktiv. Sobald es aber eine berufliche Komponente hat, finde ich es in Ordnung, denn es gehört heute einfach dazu, sich als Unternehmen oder als Person, die ein Unternehmen vertritt, nach außen zu zeigen.
Umso überraschter war ich über die Resonanz auf meinen ersten LinkedIn-Post. Ich sehe mich dort nicht als Privatperson, sondern als Vertreterin des Unternehmens. Dass das so durch die Decke gegangen ist, hat mich wirklich überwältigt.”
Was macht Binnenhäfen so besonders?
“Das Besondere an Binnenhäfen ist vor allem ihre Lage. Sie liegen mitten im Binnenland, nicht an der See oder am Meer, und genau deshalb werden sie oft gar nicht richtig wahrgenommen. Viele Menschen wissen in ihrer eigenen Stadt gar nicht, dass es dort einen Binnenhafen gibt. In Dortmund ist das ganz genauso. Obwohl es sogar eine Autobahnabfahrt mit dem Namen Hafen gibt, wissen viele Dortmunderinnen und Dortmunder kaum, was hier eigentlich täglich passiert.
Genau das macht Binnenhäfen so besonders, aber auch so unsichtbar. Sie liegen mitten in der Stadt und sind trotzdem kaum präsent im öffentlichen Bewusstsein. Das ist nicht nur in Dortmund so, sondern in vielen anderen Binnenhafenstädten ebenfalls.
Hinzu kommt die Infrastruktur. Gerade in Nordrhein-Westfalen haben wir mit unseren Wasserstraßen im Vergleich zu anderen Bundesländern etwas Außergewöhnliches. Über diese Kanäle können große Mengen an Gütern transportiert werden, klimafreundlich und effizient. Das Potenzial, das darin steckt, wird aktuell noch längst nicht ausgeschöpft.
Umso wichtiger ist es, die enorme Bedeutung der Binnenhäfen für den Gütertransport sichtbarer zu machen, transparenter zu erklären und für die Öffentlichkeit erlebbarer werden zu lassen.”
Inwiefern beschäftigt sich der Dortmunder Hafen mit Nachhaltigkeit?
“Nachhaltigkeit ist auch für uns ein sehr wichtiges Thema, mit dem wir uns intensiv beschäftigen. Wir stehen dazu in engem Austausch mit der Stadt und unserer Konzernmutter, den Dortmunder Stadtwerken. Gleichzeitig sind unsere Handlungsmöglichkeiten strukturell etwas begrenzt, weil der Dortmunder Hafen keine eigenen Liegenschaften besitzt und auch kein eigenes operatives Umschlagsgeschäft ausübt.
Umso wichtiger ist der regelmäßige Dialog mit den Hafenanliegern im Hafengebiet. Wir schauen gemeinsam, welche Maßnahmen möglich sind, wo wir unterstützen können und ob es sinnvoll ist, Fördermittel zu nutzen. Unser Ansatz ist es, Nachhaltigkeit nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit allen Beteiligten Schritt für Schritt voranzubringen.”

Welche Projekte sind in Zukunft geplant?
“Aktuell planen wir ein neues KV-Terminal mit dem Schwerpunkt auf dem Trailerumschlag. An diesem Projekt sind die Dortmunder Hafen AG, die Duisburger Hafen AG und Captrain Deutschland GmbH gemeinsam beteiligt. Der Dortmunder Hafen verfügt bereits über ein trimodales Containerterminal, das sich vor allem auf maritime Verkehre, also Container konzentriert. Das neue Terminal soll gezielt den Bedarf im Trailerbereich abdecken, denn hier in Dortmund sitzen viele große Unternehmen, die überwiegend kontinentale Trailerverkehre verursachen.
Ziel ist es, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dafür ist diese Konstellation eine sehr gute Kombination. Die Duisburger Hafen AG bringt ihre große Expertise im Terminalbetrieb ein, Captrain ist als Eisenbahnverkehrsunternehmen ein starker Partner und wir als Dortmunder Hafen AG kennen die örtlichen Gegebenheiten und können das Projekt aktiv mitgestalten. Das zeigt auch, dass Häfen durchaus miteinander kooperieren können.
Parallel dazu läuft das Projekt DOckGuard (Digi-Test), das auf drei Jahre bis 2027 angelegt ist.
Im Rahmen des Projektes wird ein Digitales Testfeld im Dortmunder Hafen aufgebaut, das nach erfolgreichem Projektabschluss Erprobungen innovativer KI-basierter Verfahren für Logistikoptimierung, Umweltüberwachung, Echtzeitlagebilder sowie die Validierung von AIS (Automatic Identification System)-Daten ermöglicht. Als Basis der Erprobungsfelder wird ein autonomiefähiges Netzwerk aus Richtfunk- und LTE-Verbindungen über die verteilten Standorte hinweg aufgebaut. Mittels unterschiedlicher Kamerasysteme und multimodaler Sensorik, auch Unterwasser, werden Technologien zur Echtzeitlagebilderzeugung gefördert. Eine vernetzte Wetterstation kann autonome Einheiten mit präzisen Daten zum Manövrieren versorgen. Die Einmaligkeit dieses Testfeldes wird durch die Bereitstellung eines volldigitalen Funkgeräts erzielt, das die Erprobung autonomer Gesprächsabwicklungen für Schiffsanmeldungen, Verkehrsplanung und Sicherheitsinformation erstmalig ermöglicht. Ferner lassen sich damit die kooperativ gesendeten AIS-Daten der Schiffe mit den Kameradaten validieren.”
Wenn du dir wünschen könntest, was mit dem Dortmunder Hafen passiert, was würdest du dir wünschen?
“Mein Wunsch wäre tatsächlich, dass wir im Dortmunder Hafen als Hafen AG selber Güter umschlagen.”
“Aktuell ist der Hafen aber zu hundert Prozent ausgelastet, und viele der bestehenden Verträge laufen zum Teil seit Jahrzehnten, teilweise sogar seit rund hundert Jahren. Um neue Flächen zu gewinnen, müsste entweder ein Unternehmen den Standort aufgeben, Verträge müssten auslaufen oder Grundstücke für sehr hohe Summen angekauft werden. All das passiert in der Praxis nur sehr selten.
Man darf dabei auch nicht vergessen, dass wir mit einem eigenen Umschlagbetrieb aktiv in den Markt eingreifen und damit in Konkurrenz zu Hafenunternehmen treten würden, die hier bereits ansässig sind. Das ist ein sensibler Punkt und muss strategisch gut überlegt und vorbereitet sein, damit der Hafen am Ende nicht geschwächt wird.
Wenn wir perspektivisch selbst umschlagen würden, dann am ehesten im Bereich der Groß- und Schwertransporte. Dort gäbe es durchaus Potenzial, um sinnvolle Angebote zu schaffen. Für die nahe Zukunft ist das allerdings kein realistisches Szenario, sondern eher eine grobe Idee mit einem langfristigen Horizont.”
