
Beim Tax & ESG Breakfast von startport am 17. Juni 2026, gaben die Expert:innen von PKF Fasselt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen rund um ESG-Regulierung, Nachhaltigkeitsberichterstattung und steuerliche Neuerungen. Die wichtigste Erkenntnis: Weniger Regulierung bedeutet nicht weniger Relevanz. Unternehmen sollten sich weiterhin strategisch mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen.
Omnibus-Verfahren: Weniger Bürokratie, aber keine Entwarnung
Mit dem Omnibus-Verfahren verfolgt die Europäische Union das Ziel, die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu vereinfachen und Unternehmen von administrativem Aufwand zu entlasten. Besonders die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die EU-Taxonomie und weitere ESG-Regelwerke sollen dadurch übersichtlicher und praxisnäher werden.
Zu den wesentlichen Änderungen gehören höhere Schwellenwerte für die Berichtspflicht. Künftig sollen Unternehmen erst ab 1.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von mindestens 450 Millionen Euro unmittelbar unter die überarbeitete CSRD fallen. Dadurch würden rund 90 Prozent der ursprünglich betroffenen Unternehmen aus dem verpflichtenden Anwendungsbereich herausfallen. Gleichzeitig werden Berichtspflichten zeitlich verschoben und die Anzahl der erforderlichen ESRS-Datenpunkte deutlich reduziert.
Nachhaltigkeit bleibt ein Marktthema
Auch wenn viele Unternehmen künftig nicht mehr gesetzlich zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind, verschwindet das Thema nicht von der Agenda. Banken, Kund:innen, Investor:innen und öffentliche Auftraggeber erwarten weiterhin belastbare ESG-Informationen. Nachhaltigkeitsdaten entwickeln sich zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor und werden bei Finanzierungen, Ausschreibungen und Lieferantenbewertungen immer wichtiger.
Daher empfahlen die Referierenden von PKF Fasselt, die eigene Berichtspflicht neu zu bewerten und bestehende Wesentlichkeitsanalysen zu überprüfen. Gleichzeitig bietet der neue freiwillige Standard für kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsinformationen strukturiert bereitzustellen, auch ohne gesetzliche Verpflichtung.

Green Claims: Aussagen zur Nachhaltigkeit werden stärker geprüft
Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops war die zunehmende Regulierung von Nachhaltigkeitsaussagen. Mit der EmpCo-Richtlinie verschärft die EU den Kampf gegen Greenwashing und schafft strengere Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsclaims. Pauschale Aussagen wie „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“ werden künftig genauer geprüft und müssen nachvollziehbar belegt werden.
Für Unternehmen bedeutet das einen höheren Dokumentationsaufwand sowie die Notwendigkeit klarer Freigabe– und Governance-Prozesse. Nachhaltigkeitskommunikation wird zunehmend zu einem Compliance-Thema.
Steuerliche Entwicklungen bleiben Treiber der Digitalisierung
Neben ESG standen auch aktuelle steuerliche Themen auf der Agenda. Besonders die Einführung der E-Rechnung beschäftigt viele Unternehmen weiterhin. Bereits jetzt müssen Unternehmen in der Lage sein, elektronische Rechnungen zu empfangen und zu verarbeiten. In den kommenden Jahren werden die Anforderungen schrittweise ausgeweitet.
Darüber hinaus zeigten die Expert:innen auf, wie wichtig funktionierende Prozesse, Verfahrensdokumentationen und digitale Systeme für zukünftige Betriebsprüfungen werden. Die Finanzverwaltung analysiert zunehmend Daten und Systeme anstatt einzelne Papierbelege. Unternehmen sind daher gut beraten, ihre digitalen Abläufe frühzeitig zu standardisieren und nachvollziehbar zu dokumentieren.
Fazit
Das Tax & ESG Breakfast bei startport hat deutlich gemacht: Die regulatorischen Anforderungen im ESG-Bereich werden zwar entschlackt, die strategische Bedeutung von Nachhaltigkeit bleibt jedoch bestehen. Unternehmen sollten die aktuellen Änderungen als Chance nutzen, ihre Berichterstattung zu fokussieren und gleichzeitig die steigenden Erwartungen von Markt, Kundschaft und Finanzierungsinstitutionen im Blick behalten.
Gemeinsam mit PKF Fasselt konnten die Teilnehmenden wertvolle Einblicke in die aktuellen Entwicklungen rund um ESG, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Steuerrecht gewinnen. Der intensive Austausch zeigte einmal mehr, wie wichtig es ist, regulatorische Veränderungen frühzeitig zu verstehen und praxisnah umzusetzen.
