
Im Rahmen des ersten Leadership Festival der DIALOGistik, welches im Innenhafen Duisburg bei startport stattfand, gab Prof. Dr. Torben Weis, Projektleiter des Zentrums für angewandte Künstliche Intelligenz Duisburg (ZaKI.D) und Dekan der Fakultät für Informatik der Universität Duisburg-Essen, spannende Einblicke in die Grenzen moderner KI-Systeme.
In seiner wissenschaftlichen Keynote „Grenzen der KI: Welche Aufgaben verbleiben für den Menschen und welche Qualifikation wird in Zukunft benötigt?“ zeigte er auf, welche Fähigkeiten Maschinen bereits heute beherrschen, wo ihre Grenzen liegen und warum menschliche Kompetenzen auch künftig unverzichtbar bleiben werden.
Die zentrale Erkenntnis: Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend. Doch trotz aller technologischen Fortschritte bleibt der Mensch ein entscheidender Faktor.
KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Wahrheit
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Keynote war die Funktionsweise moderner KI-Systeme. Prof. Dr. Weis erklärte, dass KI keine Wahrheiten kennt und keine eigenen Erkenntnisse besitzt. Stattdessen arbeitet sie mit Wahrscheinlichkeiten und mathematischen Modellen.
Wie er es selbst auf den Punkt brachte:
„KI kennt keine Wahrheiten. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten und liefert das Ergebnis mit dem höchsten Zahlenwert.“
Die Antworten einer KI wirken dadurch häufig überzeugend und plausibel. Dahinter steckt jedoch kein tatsächliches Verständnis von Zusammenhängen, sondern die Berechnung statistischer Wahrscheinlichkeiten. Gerade deshalb ist Vorsicht geboten: Ein Ergebnis kann sehr wahrscheinlich richtig sein, ohne tatsächlich überprüfbar oder fachlich belastbar zu sein.
Die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu hinterfragen und einzuordnen, bleibt daher auch in Zukunft eine zentrale menschliche Aufgabe.
Warum wir KI-Ergebnisse nicht blind vertrauen sollten
Ein weiterer Gedanke der Keynote beschäftigte sich mit der Rolle des Menschen im Umgang mit KI-generierten Inhalten. Obwohl KI heute Texte erstellt, Analysen durchführt oder komplexe Aufgaben unterstützt, fällt es vielen Menschen zunehmend schwer, die Qualität der Ergebnisse zuverlässig zu bewerten.
Je leistungsfähiger die Systeme werden, desto größer wird die Gefahr, Antworten ungeprüft zu übernehmen. Die Herausforderung besteht daher nicht allein darin, KI sinnvoll einzusetzen, sondern auch darin, genügend Fachwissen aufzubauen und zu erhalten, um ihre Ergebnisse kritisch prüfen zu können.
Die Verantwortung für die Bewertung und Einordnung von Informationen bleibt letztlich beim Menschen.

Was passiert, wenn KI die Einstiegsrollen übernimmt?
Besonders diskussionswürdig war die Frage nach den Auswirkungen von KI auf die zukünftige Arbeitswelt. Bereits heute übernimmt Künstliche Intelligenz zahlreiche Aufgaben, die noch vor wenigen Jahren typischerweise von Berufseinsteiger:innen oder Junior-Mitarbeitenden erledigt wurden.
Prof. Dr. Weis lenkte den Blick dabei auf eine Entwicklung, die Unternehmen in den kommenden Jahren vor neue Herausforderungen stellen könnte:
„Wenn KI die Junior-Rollen übernimmt, stellt sich die Frage: Wer wird dann die Expert:innen von morgen ausbilden?“
Denn Fachwissen entsteht nicht allein durch Theorie, sondern vor allem durch praktische Erfahrung. Wenn klassische Einstiegsaufgaben zunehmend automatisiert werden, verändern sich auch die Wege, über die Menschen Expertise aufbauen. Unternehmen stehen daher vor der Aufgabe, neue Formen der Qualifizierung und Kompetenzentwicklung zu schaffen.
Die Diskussion zeigte deutlich, dass die erfolgreiche Integration von KI nicht nur eine technologische, sondern vor allem auch eine organisatorische und gesellschaftliche Herausforderung ist.
Produktivität lässt sich nicht in Tokens messen
Auch aktuelle Entwicklungen im Unternehmensalltag wurden kritisch beleuchtet. So wurde diskutiert, dass einzelne Organisationen die Nutzung von KI-Werkzeugen mittlerweile anhand von Token-Verbräuchen oder ähnlichen Kennzahlen bewerten.
Die Keynote machte deutlich, dass solche Ansätze zu kurz greifen. Der Wert von Arbeit bemisst sich nicht daran, wie viele KI-Anfragen gestellt werden, sondern daran, welche Ergebnisse entstehen und welchen Nutzen sie erzeugen.
Künstliche Intelligenz sollte deshalb als Werkzeug verstanden werden, das Mitarbeitende unterstützt und befähigt, nicht als Selbstzweck oder neue Leistungskennzahl.
Fazit
Die Keynote von Prof. Dr. Torben Weis hat deutlich gemacht, dass die Diskussion über Künstliche Intelligenz weit über technische Fragestellungen hinausgeht. KI kann Prozesse beschleunigen, Aufgaben automatisieren und neue Möglichkeiten schaffen. Gleichzeitig wirft sie grundlegende Fragen zu Verantwortung, Qualifizierung und menschlicher Expertise auf.
Besonders deutlich wurde dabei: Die Zukunft gehört nicht der KI allein, sondern dem Zusammenspiel von Technologie und Mensch. Kritisches Denken, Fachwissen, Kreativität und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einzuordnen, bleiben auch in einer zunehmend automatisierten Welt unverzichtbar.
Das erste Leadership Festival der DIALOGistik bot damit nicht nur spannende Einblicke in die Möglichkeiten moderner KI-Systeme, sondern auch einen wichtigen Impuls für die Frage, welche Kompetenzen Unternehmen und Mitarbeitende künftig benötigen, um den technologischen Wandel aktiv mitzugestalten.